Die exzessive Nutzung von PC- oder Online-Spielen, ausgiebiges Plaudern in Chats, das häufige Aufrufen von und Posten in Foren oder der übermäßige Konsum pornografischer Websites – Online- und Computersucht hat viele Gesichter. Medien sind fester Bestandteil unseres Alltags geworden und ihre Nutzung vereinfacht nicht nur das Berufsleben in weiten Teilen. Die Nutzung online- und computerbasierter Dienste kann jedoch auch zur Gefahr werden und in die Abhängigkeit führen, da sind sich Experten einig. Auch wenn für das Phänomen Online- und Computersucht noch kein einheitlicher wissenschaftlicher Begriff und auch keine einheitliche Definition gefunden wurden. Doch was unterscheidet die normale Nutzung des Computers und Internets von der krankhaften? Wann ist deren Gebrauch als exzessiv zu bezeichnen?
Grundsätzlich gilt: Wer in seiner Freizeit regelmäßig mehrere Stunden täglich am PC spielt, chattet oder im Internet surft und dabei sich selbst und sein soziales Umfeld vernachlässigt, gilt als süchtig oder zumindest stark suchtgefährdet. Zwischen drei und sieben Prozent der Computernutzer sollen laut Schätzungen von Experten betroffen sein – das sind in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen. Frühe Studien haben ergeben, dass sich drei Hauptformen der Online- und Computersucht ausmachen lassen: Spielsucht, Kommunikationssucht und Sexsucht. Die Folgen sind beängstigend: Neben Störungen im Kommunikations- und Sozialverhalten treten häufig auch psychische Leiden auf, wie etwa Depressionen. Die körperliche Gesundheit leidet ebenfalls: Bewegungsmangel, Fehlernährung, Verspannungen, chronischen Haltungsschäden und Schlafstörungen sind typische Begleiter der Online- und Computersucht. Ebenso wie sozialer Rückzug, Erschöpfungszustände, Leistungsabfall oder gar der Verlust des Arbeitsplatzes.
Mangels ausreichender wissenschaftlicher Untersuchungen und Erfahrungen ist Online- und Computersucht bisher international noch nicht als eigenständiges Krankheitsbild bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Nahezu alle in diesem Bereich tätigen Experten fordern jedoch die Anerkennung als Krankheit, damit Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene entwickelt, bereitgestellt und letztlich auch finanziert werden können. Eine weitere Forderung besteht darin, die vorhandenen Beratungsangebote auszubauen und besser zu vernetzen.
Im Zuge der Anerkennung der Krankheit von der WHO ist zu klären, ob die Online- und Computersucht tatsächlich auch im wissenschaftlichen Sinne als Sucht zu begreifen ist oder ob es sich vielmehr um eine Persönlichkeitsstörung der Betroffenen handelt.


