Warum Online- und Computersucht behandelt werden muss

Krankhafte Computer- und Internetnutzung wirkt sich negativ auf verschiedene Bereiche des Lebens aus, z.B. auf Familie und Freunde, Schule oder Berufsleben sowie auf die finanzielle Situation.

 

Familiäre / Soziale Auswirkungen

Studien haben ergeben, dass sich der pathologische Internetgebrauch besonders negativ auf soziale Beziehungen im realen Leben auswirkt. Da Online- und Computersüchtige weniger Zeit mit dem Partner, den Kindern und Freunden verbringen, kann das zu einer Störung der zwischenmenschlichen Beziehungen führen. Kimberley S. Young ermittelte in ihrer Studie aus dem Jahr 2000, dass von den als internetsüchtig eingestuften Testteilnehmern 53% angaben, der Internetgebrauch habe ernste Auswirkungen auf familiäre, partnerschaftliche und freundschaftliche Beziehungen. Weitere 45% gaben an, die Online-Aktivität führe zu mittelschweren Negativauswirkungen innerhalb ihrer sozialen Beziehungen. Young stellte aufgrund ihrer Recherche fest, dass der Partner des Internetsüchtigen oft zu Anfang den exzessiven Internetgebrauch toleriere, da angenommen würde, dass es sich nur um eine "Phase" handele und sich das exzessive Internetverhalten wieder normalisieren würde. Bei einer Nichtnormalisierung des Internetgebrauches komme es jedoch zu ersten partnerschaftlichen Konflikten. Darüber hinaus reagierten Internetsüchtige gegenüber ihrem Partner oft aggressiv, wenn dieser das Online-Verhalten kritisiere oder versuche, den Betroffen von seiner Online-Tätigkeit abzuhalten. Häufig verteidigten die Internetsüchtigen ihren Internetgebrauch und versuchten, das Online-Verhalten herunterzuspielen. Auch könnte der Fall eintreten, dass das wahre Ausmaß der Internetaktivität verheimlicht oder darüber gar eine bewusste Falschaussage getroffen würde. Dieses Verhalten sei bereits in ähnlicher Form von beispielsweise spiel- oder alkoholsüchtigen Menschen bekannt.


Durch den exzessiven Internetgebrauch kann es darüber hinaus zu einer Vernachlässigung der Eltern-Kind-Beziehung kommen, indem die Kinder nicht mehr die mütterliche/väterliche Sorge, liebevolle Zuwendung und Aufmerksamkeit sowie Unterstützung und Förderung erhalten, die sie benötigen.

 

Schulische / Berufliche Auswirkungen

Amerikanische Universitäten wurden mit dem Internet weitaus früher als in Deutschland vernetzt. Dies sollte u. a. den Studenten eine neue Möglichkeit bieten, Informationen für ihr Studium selbstständig einzuholen und sich weiterzubilden. Auch wenn die Möglichkeiten des Internets eine gute Recherche gewähren können, ist durch College Counselors (eine Art Studienberater und Vertrauensperson für Studenten) festgestellt worden, dass der kostenlose studentische Zugang zum Internet in größerem Maße für das Online-Chatten und interaktives Fantasyspielen verwendet werde. Eine Studie der amerikanischen Alfred Universität zeigte, dass Konzentrationsmängel während des Unterrichts, Leistungsabfälle und Stundenversäumnisse der Studenten in 43% der untersuchten Fälle auf nächtlichen privaten Internetgebrauch zurückzuführen seien.  Eine Studie, initiiert von Counselors der Universität von Texas, hatte zum Ergebnis, dass auf 14% der 531 am Test teilnehmenden Studenten die Kriterienpunkte des pathologischen Internetgebrauches zuträfen.


Die Ergebnisse lassen sich auch auf deutsche Schulen und Universitäten übertragen.


In Youngs Studie wurde von 51% der Internetsüchtigen angegeben, dass der exzessive Internetgebrauch starke Auswirkungen auf den Beruf habe, 34% gaben mittelschwere Auswirkungen an und 15% schätzten die Auswirkungen des pathologischen Internetgebrauches als mäßig ein. Young führt aus, dass Müdigkeit und Konzentrationsmangel, bedingt durch nächtliche Online-Sitzungen, zur Einschränkung der Leistungsfähigkeit führten und somit auch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten.

 

Finanzielle Auswirkungen

Während noch vor kurzer Zeit Internetsüchtige allein durch die hohen Telefonkosten, Netzbetreibergebühren und Online-Grundgebühren Gefahr liefen, sich zu verschulden, ist dies durch die mittlerweile stark gesunkenen Internetgebühren in diesem Maße nicht mehr der Fall. Allerdings ist zu befürchten, das Betroffene aufgrund der niedrigen Kosten (Flatrate-Angebote) sich sogar ermutigt fühlen könnten, noch länger im Internet zu surfen. Untersuchungen hierzu stehen jedoch noch aus.


Zu Verschuldung kann es bei Patienten mit Online-Sexsucht kommen, da das Konsumieren von Online-Sexseiten sowie von Cyberex in der Regeln mit Kosten verbunden ist. Auch Online-Spielsüchtige laufen Gefahr, sich durch den Besuch von virtuellen Spielcasinos zu verschulden. Unter Angabe der persönlichen Daten und der Kreditkarten-Nummer wird dort um reale Geldbeträge gespielt und gewettet. Die Gewinne bzw. die häufigeren Verluste werden im Anschluss von dem Bankkonto des Mitspielers abgebucht.


Das Medium Internet bietet ebenfalls die Möglichkeit, über virtuelle Auktionshäuser einen Artikel zu ersteigern sowie andere Shoppingangebote wahrzunehmen. Ist der Unser nicht (mehr) in der finanziellen Lage, den aus seiner Online-Tätigkeit resultierenden Forderungen nachzukommen, besteht die Gefahr der strafrechtlichen Verfolgung.

 
 

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