Eltern

Sie befürchten, Ihr Kind ist online- und computersüchtig oder zumindest suchtgefährdet? Allein die Zeit, die Ihr Sohn oder Ihre Tochter am Computer oder im Internet verbringen, sagt noch nicht viel darüber aus, ob tatsächlich eine Suchterkrankung vorliegt oder nicht.

 

Erstes und wichtigstes Anzeichen für eine Online- oder Computersucht ist, dass Ihr gemeinsamer Alltag, also Ihr „ganz normales Familienleben“, unter dem Computer- oder Internetkonsum Ihres Kindes leidet.

 

Einen Hinweis darauf, ob Ihr Sohn oder Ihre Tochter tatsächlich süchtig sind, können Ihnen die folgenden Fragen geben. Wenn Sie mehrere Fragen mit „ja“ beantworten, sollten Sie eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe kontaktieren und sich eingehend beraten lassen. Bitte beachten Sie jedoch, dass der Test keinesfalls die Diagnose eines Mediziners oder Psychologen ersetzen kann.

  • Vernachlässigt Ihr Kind Arbeiten im Haushalt, um mehr Zeit online verbringen zu können?
  • Haben Sie den Eindruck, dass sich die Internetaktivitäten Ihres Kindes negativ auf die Schulnoten auswirken?
  • Verbringt Ihr Kind seine Zeit häufig lieber online als mit dem Rest der Familie und / oder seinen Freunden?
  • Verbringt Ihr Kind pro Tag des Öfteren mehr Zeit online als mit Hobbys und / oder anderen Aktivitäten?
  • Schaut sich Ihr Kind nach dem Nachhausekommen häufig zuerst seine E-Mails an, bevor es etwas anderes tut?
  • Knüpft Ihr Kind häufig Freundschaften über das Internet?
  • Beschweren Sie sich zunehmend darüber, dass Ihr Kind so viel Zeit online verbringt?
  • Missachtet Ihr Kind oft das von Ihnen vorgegebene Zeitlimit für die Computernutzung bzw. haben Sie es bereits des Öfteren beim Unerlaubten Benutzen des Internets erwischt?
  • Reagiert Ihr Kind häufig verärgert, wenn es beim Benutzen des Internets gestört wird?
  • Kommt Ihnen Ihr Kind zurückgezogen oder verschlossen vor, seit es das Internet entdeckt hat?
  • Reagiert Ihr Kind zurückhaltend oder verschlossen, wenn Sie es darauf ansprechen, was es im Internet tut?
  • Ist Ihr Kind, nachdem es im Internet war, häufig müder oder erschöpfter als früher?
  • Bemerken Sie häufig, dass Ihr Kind noch in Gedanken versunken ist, nachdem es im Internet war?
  • Bessert sich die Stimmung Ihres Kindes, wenn es nach längerer Zeit wieder online gehen kann?
 

Wege aus der Sucht – was Sie tun können

Betroffene brauchen professionelle Hilfe – ins besondere dann, wenn es sich um Kinder handelt, die unter Online- und Computersucht leiden. Der falsche Weg wäre es allerdings, Ihrem Kind Vorwürfe zu machen oder es unter Druck zu setzen. Versuchen Sie stattdessen, offen mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter über Ihre Befürchtung zu reden und bieten Sie Ihre Hilfe und Unterstützung an. Holen Sie auf jeden Fall professionellen Rat ein – egal ob zunächst alleine oder gleich gemeinsam mit Ihrem Kind.

 

Erster Anlaufpunkt kann der Hausarzt sein, eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe oder direkt das Chefarzt-Sekretariat unserer Abteilung für Psychosomatik an der Kinzigtal-Klinik in Bad Soden-Salmünster. Bitte beachten Sie jedoch, dass wir für die stationäre Therapie in der Kinzigtal-Klinik ausschließlich Patienten ab 18 Jahren aufnehmen können. Eine ambulante Behandlung ist in unserem Haus grundsätzlich nicht möglich.

 

Selbstverständlich können Sie auch selbst Maßnahmen ergreifen, die Ihr Kind vor der Entwicklung einer Online- und Computersucht schützen können.

  • Nutzen Sie die von einigen Herstellern von Computerspielen bzw. anderen Softwareherstellern angebotene Technik der Spielzeitbegrenzung und –kontrolle, wie z.B. in den Programmen implementierte Wecker oder Timeouts, die verpflichtende Spieldauereinblendung oder aber Möglichkeit, bestimmte Seiten von vornherein zu blockieren.
  • Entfernen Sie den Computer aus dem Kinderzimmer und dem unmittelbaren Wohnbereich. Platzieren Sie ihn so, dass der Bildschirm zur Tür zeigt bzw. für andere im Raum sichtbar ist.
  • Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Wochenplan dafür, wann es Zeit am Computer verbringen darf und wie lange. Schränken Sie dabei die Onlinezeiten des Kindes bewusst ohne völligen Verzicht ein.
  • Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein neues Hobby oder frischen Sie ein altes wieder auf.
  • Hinterfragen Sie genau, was Ihr Sohn oder Ihre Tochter im Internet sucht (und findet), das er oder sie in der Realität nicht hat.
  • Bedienen Sie Ihr Kind auf keinen Fall am Rechner. Bringen Sie ihm keine Getränke oder Speisen.
  • Besuchen Sie falls möglich eine Selbsthilfegruppe in der Nähe Ihres Wohnortes, gründen Sie selbst eine solche Selbsthilfegruppe oder nehmen Sie online Kontakt zu Angehörigen auf. Zum Beispiel im Forum auf der Website www.onlinesucht.de des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht HSO 2007 e.V. Unter Gleichgesinnten und gleichermaßen betroffenen Angehörigen können Sie einen wertvollen Erfahrungsaustausch pflegen und erhalten weitere Tipps, wie Sie Ihr Kind schützen können.
  • Reden Sie offen mit Ihrem Kind über die Suchtgefährdung, auch wenn es darauf aggressiv reagieren sollte.
  • Nehmen Sie Ihr Kind in die Verantwortung. Zeigen Sie ihm, dass es Ihnen wichtig ist.
 
 

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